Tag der Politikwissenschaft 2008

„Krisenmanagement in Geiselsituationen“ lautete das zentrale Thema des mittlerweile neunten Tages der Politikwissenschaft am 24. Juni 2008 in der Aula des Universitätshauptgebäudes. Zu diesem Zwecke gelang es dem Förderverein, als Festredner einen ausgewiesenen Experten für Geiselverhandlungen im Ausland zu gewinnen, Jürgen Chrobog, Staatssekretär a.D. im Auswärtigen Amt, wo er Krisenstäbe für im Ausland entführte Deutsche leitete, und ehemaliger Botschafter in den USA. Chrobog, der während seiner Zeit im Außenministerium viele Verhandlungen mit Geiselnehmern in aller Welt führte und 2005 gemeinsam mit seiner Familie selbst Opfer einer Entführung im Jemen wurde, wusste von den vielen Schwierigkeiten zu berichten, die sich ergeben, will man einerseits die Interessen und die Unbeugsamkeit eines Staates vertreten, aber andererseits die Gesundheit und das Leben der Geiseln bewahren. Vor allem der Umgang mit den Medien und den Angehörigen von Geiseln erforderte, laut Chrobog, besonderes Feingefühl. Wenig Verständnis zeigte Jürgen Chrobog jedoch für unachtsame Reisende, die Warnungen des Auswärtigen Amtes leichtsinnig ignorieren und sich dadurch wissentlich in große Schwierigkeiten begeben. Prominentes Beispiel dafür sei der Fall der Archäologin Susanne Osthoff gewesen, die sich 2005 trotz der allseits bekannten Gefahr in den Irak begab und dort als Geisel genommen wurde. Chrobog kritisierte die leichtfertige Einstellung vieler Touristen, der Staat würde sie aus solchen Notlagen befreien. Doch nicht in allen Fällen, insbesondere bei politisch oder religiös motivierten Fällen, sei dieser im Stande, eine sichere Lösung zu einhundert Prozent zu garantieren. Im Gedächtnis der Zuhörer blieb vor allem eine kurze Anekdote Chrobogs über seine eigene Entführung Weihnachten 2005, während der er eines Nachts seinen Sohn aus dem Zelt der Entführer rief, um ihm den klaren Sternenhimmel über der jemenitischen Wüste zu zeigen. „Es muss selbst in den schwierigsten Situationen möglich sein, der Schönheit der Welt trotz aller widrigen Umstände, Aufmerksamkeit zu schenken“, führte der Experte für Krisenmanagement in Geiselsituationen am Ende seines Vortrages an.

Beim traditionell vor der abendlichen Festveranstaltung des Tages der Politikwissenschaft stattfindenden politikdidaktischen Programmteil ging Prof. Dr. Werner Patzelt von der TU Dresden in seinem Vortrag über „Politische Bildung in der globalisierten Welt“ der Frage nach, ob die bestehenden Konzepte und Themen der politischen Bildung noch zeitgemäß sind.

Dem Festvortrag Chrobogs direkt voraus gingen auch in diesem Jahr wieder die Praxisberichte einiger Abolventen. Unter anderem berichtete der ehemalige Student und langjährige Sprecher des Fachschaftsrats, Felix Nitsch, über seine bisherige berufliche Laufbahn im sozialen Bereich. Nach der anschließenden Verabschiedung der Absolventen des Jahres 2007/2008 erhielten Thomas Nitzsche für seine Doktorarbeit sowie Matthias Heise, Silvia Hausmann, Jonathan Gibbs und Matthias Enders für ihre Abschlussarbeiten den begehrten Examenspreis des Fördervereins vom Vereinsvorsitzenden Reyk Sela, MdL, und dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Christoph Matschie, Thüringer SPD-Chef und Fraktionsvorsitzender.

Am Abend hatten alle Anwesenden die Möglichkeit, bei Bratwürsten, Brezeln, Obst und Wein im Innenhof des Universitätshauptgebäudes noch einmal persönlich miteinander in Kontakt zu treten und einen gelungenen Tag der Politikwissenschaft ausklingen zu lassen. Der Förderverein dankt insbesondere dem Fachschaftsrat sowie der Thüringer Staatskanzlei für die Unterstützung.

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