Tag der Politikwissenschaft 2007

Den „Möglichkeiten und Problemen großer Koalitionen“ wandte sich der mit gut zwei Metern wahrhaft große und vor allem als bürgernah bekannte ehemalige Bürgermeister und Präsident des Senats der Hansestadt Bremen, Henning Scherf (SPD), in seinem Festvortrag zum Tag der Politikwissenschaft am Abend des 28. Juni im gut besuchten Großen Sitzungssaal der Rosensäle zu. Zuvor scheute er sich nicht, auch persönlich mit dem Publikum aus Dozenten, Studenten und Gästen in Kontakt zu treten (siehe Bild).

Scherf, für den das Alter kein Grund ist, sich aus tagespolitischen Themen herauszuhalten und Politik und Gesellschaft sich selbst zu überlassen, wandelte sich in den zehn Jahren Zusammenarbeit mit der CDU in der Hansestadt vom Kritiker einer großen Koalition (er selbst bevorzugte 1995 klar eine rot-grüne Regierung) zum flammenden Befürworter einer gemeinsamen Regierungsverantwortung der beiden deutschen Volksparteien. Mit dem gewohnten Witz und Charme wurden die Vor-, Nach- und Vorurteile abgewogen und die Zuhörer mit dem guten Gefühl entlassen, dass eine ertragreiche Zusammenarbeit, zumindest auf der Kommunal- und Landesebene, auch über schwer überwindbar scheinende Parteigrenzen hinweg möglich ist.

Politische Anteilnahme in der Öffentlichkeit, wie Scherf sie in seinem 2006 erschienenen Buch “Grau ist bunt” auch im Alter noch voraussetzt, ist auch eng verknüpft mit politischer Bürgerbildung. Dass diese sich in Zeiten des globalen Terrorismus immer mehr zur Herausforderung entwickelt, veranschaulichte der Kieler Politikwissenschaftler Dr. Karl-Heinz Breier bereits um 14 Uhr im Hörsaal 235 des Universitätshauptgebäudes in dem Vortrag “Zur Herausforderung des Politischen. Bürgerbildung in Zeiten des Terrors”. Der politischen Bildung nämlich, obliegt die schwierige Aufgabe, auch unter den erschwerten Bedingungen einer ständigen latenten Bedrohung durch terroristische Organisationen, ein Verständnis von Toleranz und gegenseitigen Respekts gegenüber anderen Kulturen und Religionsgemeinschaften zu vermitteln. Dem spannenden und rhetorisch hervorragenden Vortrag folgte die Mitgliederversammlung des Fördervereins für Politikwissenschaft der Universität Jena unter Vorsitz von Reyk Seela.

Im Programmteil „Alumni berichten“ stellten die ehemaligen Politikwissenschafts- und Sozialkundestudenten der Uni Jena, Gunnar Breske (Volontär beim MDR in Leipzig), Julia Lieb (Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin) und Christian Schmidt (Referendar beim Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien in Kaiserslautern) ihre Arbeit und ihre Erfahrungen nach dem Studium vor.

Die diesjährigen Promotions- und Examenspreise des Fördervereins für Politikwissenschaft gingen an Dr. Lars Berger für seine wissenschaftliche Leistung im Rahmen der Dissertation „Die Politik der USA gegenüber der Herausforderung des islamistischen Terrorismus im Nahen und Mittleren Osten (1993-2005)“, an Charlotte Booth für ihre Magisterarbeit zum „Staatszerfall in Somalia“, an Anne Müller für ihre Magisterarbeit zum „Außenpolitischen Missionsgedanken und präsidentieller Rhetorik von Ronald Reagan bis George W. Bush“ sowie an Lars Vogel für seine Magisterarbeit zur „Rekrutierung von Ministern in Deutschland.“

Zum ersten Mal in der Geschichte des Tages der Politikwissenschaft fand ebenfalls eine feierliche Verabschiedung von Absolventen des Instituts im Rahmen einer Urkundenübergabe durch Institutsdirektor Prof. Dr. Michael Dreyer statt.

Im Rahmen des abschließenden Empfangs im Kleinen Saal der Rosensäle verabschiedete das Institut den langjährigen Ansprechpartner des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, Dr. Hans-Peter Ehrentraut-Daut.

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